Oute ich mich als Pudelbesitzerin - wenn man dies überhaupt so bezeichnen kann - rümpfen fast alle erst einmal die Nase oder haben ein Grinsen auf den Lippen. Viele sehen im Pudel den typischen Seniorenhund mit nicht wirklich ansprechenden (Charakter-)Eigenschaften wie langweilig, dumm, arrogant, hysterisch, verweichlicht - und zu guter Letzt einfach nur blöd frisiert.
Vorurteile, die diese tolle Rasse halt nun mal begleiten, wohl auch in Zukunft. Ich habe mir abgewöhnt, lange Diskussionen darüber zu führen resp. manche Zeitgenossen vom Gegenteil zu überzeugen. Ist Floyd dabei, erübrigt sich dies meist eh von selbst…
Pudel bestechen durch ihr tolles Wesen. Sie sind äusserst intelligent, fröhlich, aufgeweckt, unkompliziert, anhänglich, charmant, verspielt, unternehmungslustig, lernbegierig, lieben Kinder und sind sehr wachsam. Man trifft sie in fast jeder Sparte im Hundesport an, was ihre Vielseitigkeit somit einmal mehr verdeutlicht; egal ob als Blinden-, Begleit- oder Schutzhunde, beim Agility, Dogdance, Obedience etc. - die Liste ist lang. Sie sind die perfekten Begleiter für Menschen JEDEN Alters!
Dass der Pudel ursprünglich als Jagdhund eingesetzt wurde, scheinen wohl nur wenige zu wissen. Als Wasserhund apportierte er geschossenes Wassergeflügel aus Flüssen und Seen. Nicht um sonst ist sein Fell deshalb so gekräuselt. Pudel wurde vom Wort "Pfudel" abgeleitet, was Pfütze bedeutet und auf den damaligen Verwendungszweck der Rasse schliesst. Dieser Jagdtrieb schlummert nach wie vor hauptsächlich im Grosspudel - dem muss im Alltag unbedingt Beachtung geschenkt werden!
Die ursprünglich aus Frankreich stammende Rasse wird in vier Varianten aufgeteilt. Sie unterscheidet sich nur in der Grösse, das Erscheinungsbild des quadratischen Hundes mit dem tänzelnden, stolzen Gang ist dasselbe.
Pudel haaren nicht, der jahreszeitbedingte Fellwechsel bleibt aus. Das wollige Fell wächst nicht nur an Körper, Rute und Beinen, sondern auch an Kopf, in den Gehörgängen, Pfoten etc. ein Hundeleben lang nach. Daher müssen sie zwingend regelmässig geschoren werden, nicht aus ästhetischen sondern aus gesundheitlichen Gründen.
Früher taten dies bereits die Jäger auf ihre ganz spezielle Art und Weise, jedoch nicht aus modetechnischen Trends. Grund dafür war die damalige Verwendung bei der Wasserjagd. Pudel wurden von der Rückenmitte nach hinten geschoren, damit waren Herz und Lunge vor Kälte - insbesondere im Wasser - geschützt. Beim Lendenbereich, an Knien sowie Fussgelenken liess man Haarbüschel als Schutzfunktion stehen. Eine grösstmögliche Beinfreiheit die zur Erleichterung beim Schwimmen dient, wurde durch geschorene Vorder- und Hinterläufe erreicht. Die Haarquaste an der Rute liess man den Hunden als eine Art Ruder.
Ein Band am Haarschopf bot gleich mehrere Vorteile: Die Locken fielen nicht in die mandelförmigen Pudelaugen, andererseits konnten die Jäger ihren Hund an der Farbe des Haarbandes auch auf einer grösseren Distanz erkennen.
Über den heutigen Sinn oder Unsinn der damaligen Schurarten, v.a. zu reinen Ausstellungszwecken(!), kann man sich streiten. Ich persönlich schere Floyd alle fünf Wochen so kurz wie nur möglich, Bad inbegriffen. Einerseits hasst er die tägliche Bürsterei, andererseits fühlt sich der kleine Kerl "nackt" viel wohler. Dass ich selbst bei eingefleischten "Schurfanatikern" teilweise etwas anecke, stört mich nicht wirklich. Ich akzeptiere ja auch deren anders frisierten Hunde, die Geschmäcker sind eben verschieden. Auch wenn ich oft gefragt werde, ob es sich bei Floyd um einen Pinschermischling handle oder ob da ein Pudel mitbeteiligt war - wir nehmen es mittlerweile gelassen.
Leider bietet sich das wollige Fell geradezu an, gestylt zu werden, selbst vor Farbexperimenten schrecken manche nicht ab. Dies ist meiner Ansicht nach absolut nicht vertretbar. Dafür aber den Hund als doof abzustempeln, ist das denn wirklich fair resp. angebracht? Vielleicht sollte man sich darüber mal Gedanken machen, denn kein Pudel schert sich selber...
Pudel sorgen aufgrund ihrer Optik für Gesprächsstoff, seit jeher. Klar, der Look, der Gang, das sog. Gesamtpaket – wohl auf den ersten Blick nicht jedermanns Sache. Ich persönlich finde es einfach schade, aus lauter Oberflächlichkeit gleich ein Urteil über eine ganze Rasse abzugeben und kann nur jedem an's Herz legen, diese wunderbaren Hunde mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten resp. näher kennen zu lernen... Es lohnt sich!!!